OpenAI aktiviert Marketing-Cookies fuer kostenlose ChatGPT-Nutzer standardmaessig - Bezahlkunden bleiben verschont
Was wirklich drin steht
OpenAI hat zum 1. Mai 2026 Marketing-Cookies fuer alle kostenlosen ChatGPT-Nutzer standardmaessig aktiviert. Das Unternehmen teilt nun begrenzte Daten wie Cookie-IDs, Geraete-IDs und E-Mail-Adressen mit Werbepartnern, um eigene Produkte auf Drittplattformen wie Instagram zu bewerben. Konkret nutzt OpenAI diese Identifikatoren, um zu pruefen, ob Nutzer nach dem Sehen einer Werbeanzeige bestimmte Aktionen ausgefuehrt haben - etwa ob sie sich nach einer Instagram-Werbung fuer das Codex-Tool angemeldet haben. Die Gespraeche mit ChatGPT selbst werden laut OpenAI weiterhin nicht mit Werbepartnern geteilt. Bereits im Februar 2026 hatte OpenAI begonnen, Werbeanzeigen am unteren Rand von ChatGPT-Ausgaben fuer US-Nutzer einzublenden. Bezahlende Abonnenten (ChatGPT Plus und Enterprise) sind von der Standardaktivierung der Marketing-Cookies nicht betroffen - sie muessen aktiv zustimmen. Nutzer koennen das Tracking unter Einstellungen > Datenkontrolle > Marketing-Datenschutz deaktivieren. Auch nicht eingeloggte Nutzer koennen ueber den Link 'Your Privacy Choices' auf der OpenAI-Website oder ueber das Global Privacy Control widersprechen.
Unsere Einordnung
Die Sorge ist teilweise berechtigt, aber der Kontext ist wichtig. Einerseits: OpenAI schafft ein Zwei-Klassen-System beim Datenschutz. Wer bezahlt, behaelt die Kontrolle ueber seine Daten - wer den kostenlosen Dienst nutzt, wird zum Produkt. Das ist ein bekanntes Muster aus der Social-Media-Welt, das nun in der KI-Branche ankommt. Fuer ein Unternehmen, das sich als verantwortungsvoller KI-Entwickler positioniert, ist das ein Vertrauenssignal in die falsche Richtung. Andererseits: Die geteilten Daten sind begrenzt - Cookie-IDs und E-Mail-Adressen, keine Gespraeche. Das Tracking dient primaer der Werbemessung fuer eigene Produkte, nicht dem Verkauf von Nutzerprofilen an Dritte. Und es gibt eine Opt-out-Moeglichkeit. Das eigentliche Problem liegt tiefer: Wenn KI-Assistenten zu werbegestuetzten Plattformen werden, veraendert sich der Anreiz. Statt dem Nutzer die beste Antwort zu geben, entsteht langfristig der Anreiz, Nutzer auf der Plattform zu halten und zum Klicken zu bewegen. Das kennen wir von sozialen Medien - und die gesellschaftlichen Folgen sind bekannt.
Relevanz für Deutschland
Fuer Deutschland und Europa besonders relevant aus DSGVO-Perspektive. Die Standardaktivierung von Marketing-Cookies ohne vorherige Einwilligung (Opt-in) widerspricht dem europaeischen Datenschutzprinzip, das eine aktive Zustimmung vor dem Tracking verlangt. OpenAI hat zwar eine separate EU-Datenschutzerklaerung, doch die Frage, ob die Standardaktivierung fuer EU-Nutzer ueberhaupt rechtskonform ist, duerfte Datenschutzbehoerden beschaeftigen. Bereits zuvor hatten europaeische Behoerden - allen voran die italienische Garante und die oesterreichische Datenschutzbehoerde (ueber noyb-Beschwerden) - Verfahren gegen OpenAI eingeleitet. Fuer deutsche Nutzer gilt: Wer ChatGPT kostenlos nutzt, sollte die Marketing-Datenschutz-Einstellungen pruefen und gegebenenfalls deaktivieren. Langfristig zeigt der Fall, wie wichtig europaeische KI-Alternativen wie Mistral oder Aleph Alpha sind, bei denen Datenschutz nicht vom Bezahlstatus abhaengt.
Faktencheck
Die Kernfakten - Standardaktivierung von Marketing-Cookies fuer kostenlose Nutzer, Teilen von Cookie-IDs und E-Mail-Adressen, Unterschied zwischen kostenlosen und bezahlten Konten - werden von The Decoder, TechBuzz und weiteren Quellen uebereinstimmend berichtet und sind in OpenAIs eigener Privacy Policy dokumentiert. Die Opt-out-Moeglichkeit ueber Einstellungen > Datenkontrolle > Marketing-Datenschutz ist in der offiziellen OpenAI-Dokumentation bestaetigt. Dass ChatGPT-Gespraeche nicht mit Werbepartnern geteilt werden, ist ebenfalls durch OpenAI bestaetigt. Die Einfuehrung von Werbeanzeigen in ChatGPT im Februar 2026 wurde von t3n und The Decoder berichtet. Einschraenkung: Ob und wie sich die Standardaktivierung fuer EU-Nutzer unterscheidet, ist aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutig ersichtlich - OpenAI verweist auf separate EU-Richtlinien.
Quelle
- • The Decoder 01.05.2026 (the-decoder.com/chatgpt-now-tracks-users-for-ads-by-default-as-openai-looks-for-new-revenue/)
- • t3n Januar 2026 (t3n.de/news/openai-werbung-chatgpt-1725818/)
- • OpenAI US Privacy Policy (openai.com/policies/us-privacy-policy/)
- • OpenAI Europe Privacy Policy (openai.com/policies/eu-privacy-policy/)
- • OpenAI Cookie Policy (openai.com/policies/cookie-policy/)