Midjourney fordert Disney, Universal und Warner Bros. auf, eigene KI-Nutzung offenzulegen - Urheberrechtsstreit eskaliert
Was wirklich drin steht
Der KI-Bildgenerator Midjourney hat am 4. Juli 2026 einen Antrag eingereicht, der die Hollywood-Studios Disney, Universal und Warner Bros. dazu zwingen soll, ihre eigene interne KI-Nutzung umfassend offenzulegen. Die Studios hatten Midjourney zuvor wegen Urheberrechtsverletzung verklagt, weil der Dienst auf Anfrage Bilder von geschützten Figuren wie Bart Simpson oder Darth Vader erzeugen konnte. In seiner Verteidigung argumentiert Midjourney nun, dass die Studios möglicherweise selbst genau das tun, wofür sie Midjourney verklagen: nämlich KI-Modelle mit urheberrechtlich geschütztem Material trainieren und nutzen. Konkret fordert Midjourney die Herausgabe der KI-Geschäftspläne der Studios, ihrer Forschungsberichte, Trainingsdatensätze, Modellgewichte, Vorstandspräsentationen über KI sowie sämtlicher Eingaben, die Mitarbeiter der Studios jemals auf der Midjourney-Plattform gemacht haben. Im Juni hatte ein Magistratsrichter entschieden, dass die Studios nur Informationen über KI-Anwendungen offenlegen müssen, die zu verbraucherorientierten Inhalten führen - eine Entscheidung, die die Offenlegungspflicht zugunsten der Studios einschränkte. Midjourney ficht diese Entscheidung nun an und will, dass die Studios auch ihre interne KI-Nutzung für Storyboarding, Ideenfindung und andere Produktionsschritte offenlegen müssen. Die Kernargumentation von Midjourney: Das Training von KI mit öffentlich zugänglichen Bildern sei Fair Use, und wenn die Studios intern dieselbe Praxis verfolgen, belege das eine branchenübliche Vorgehensweise. Der leitende Anwalt der Studios, David Singer, bezeichnete Midjourneys Forderungen als eine Ablenkungstaktik.
Unsere Einordnung
Dieser Fall verdient eine gelbe Bewertung, weil er eine grundlegende Frage aufwirft, die für alle Kreativen und Rechteinhaber relevant ist, aber noch keine unmittelbare Auswirkung auf Verbraucher hat. Die besorgniserregende Seite: Wenn Gerichte entscheiden, dass das Training von KI-Modellen mit urheberrechtlich geschütztem Material grundsätzlich als Fair Use gilt, hätte das weitreichende Konsequenzen für Künstler, Fotografen, Autoren und andere Kreative weltweit. Ihre Werke könnten dann ohne Vergütung oder Zustimmung für KI-Training verwendet werden. Die Tatsache, dass Midjourney auf Anfrage geschützte Figuren wie Darth Vader generieren konnte, zeigt, dass KI-Systeme gelerntes Wissen über geschützte Werke reproduzieren können. Die beruhigende Seite: Der Fall zeigt, dass das Rechtssystem die Frage aktiv verhandelt. Dass Midjourney die Studios zwingt, ihre eigene KI-Nutzung offenzulegen, bringt Transparenz in eine Branche, die öffentlich gegen KI argumentiert, sie aber intern möglicherweise selbst einsetzt. Diese Transparenz ist letztlich positiv für die öffentliche Debatte. Zudem gilt das US-amerikanische Fair-Use-Konzept nicht eins zu eins im europäischen Recht, wo das Urheberrecht traditionell stärker geschützt ist.
Relevanz für Deutschland
Für Deutschland und Europa ist dieser Fall aus mehreren Gründen bedeutsam. Erstens: Die EU-Urheberrechtsrichtlinie und der AI Act enthalten Regelungen zum Text- und Data-Mining, die sich grundlegend vom US-amerikanischen Fair-Use-Konzept unterscheiden. In der EU haben Rechteinhaber ein Widerspruchsrecht (Opt-out) gegen die Nutzung ihrer Werke für KI-Training. Der Ausgang des US-Verfahrens wird dennoch als Präzedenzfall die globale Debatte prägen. Zweitens: Deutsche Verwertungsgesellschaften wie die VG Wort und VG Bild-Kunst verhandeln bereits über Vergütungsmodelle für KI-Training. Je nachdem, wie US-Gerichte entscheiden, verschiebt sich die Verhandlungsposition. Drittens: Deutsche Kreative und Medienhäuser - von freischaffenden Illustratoren bis zu großen Verlagen - sind direkt betroffen, wenn ihre online veröffentlichten Werke ohne Zustimmung in Trainingsdaten landen. Viertens: Die Erkenntnis, dass selbst Hollywood-Studios intern KI einsetzen könnten, während sie öffentlich dagegen klagen, spiegelt eine Doppelmoral wider, die auch in der deutschen Wirtschaft zu beobachten ist.
Faktencheck
Der Rechtsstreit und Midjourneys Antrag vom 4. Juli 2026 werden übereinstimmend von TechCrunch, Variety und Engadget berichtet. Die Forderung nach Offenlegung von KI-Geschäftsplänen, Trainingsdaten und Modellgewichten wird in allen drei Quellen bestätigt. Die Entscheidung des Magistratsrichters im Juni, die die Offenlegung auf verbraucherorientierte KI-Anwendungen beschränkte, wird von TechCrunch und Variety dokumentiert. Midjourneys Berufung gegen diese Entscheidung ist durch die Gerichtsdokumente belegt. Die ursprünglichen Klagen von Disney und Universal wegen der Generierung geschützter Figuren sind durch die Vorberichterstattung mehrerer Medien bestätigt.
Quelle
- • https://techcrunch.com/2026/07/04/midjourney-wants-hollywood-studios-to-reveal-the-details-of-their-ai-usage/
- • https://variety.com/2026/film/news/midjourney-studios-ai-copyright-discovery-1236800902/
- • https://www.engadget.com/2207936/midjourney-wants-studios-that-sued-show-court-ai-use/