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EU AI Act im Trilog: Hochrisiko-Pflichten verschoben, Deepfake-Pornografie soll verboten werden

Was wirklich drin steht

Im laufenden Trilog zwischen EU-Rat, Parlament und Kommission zeichnet sich ab, dass die Pflichten fuer eigenstaendige Hochrisiko-KI-Systeme nach Anhang III (biometrische Systeme, KI in Personalauswahl, Bildung, Kreditwuerdigkeitspruefung) nicht mehr ab 2. August 2026, sondern erst ab 2. Dezember 2027 greifen sollen. Die Kennzeichnungspflicht fuer KI-erzeugte Inhalte wird vom 2. August auf den 2. November 2026 verschoben. Gleichzeitig sollen nicht einvernehmlich erstellte intime Darstellungen (Deepfake-Pornografie) und KI-generierte Darstellungen von Kindesmissbrauch als verbotene Praktiken in Artikel 5 aufgenommen werden. Der zweite Trilog ist fuer den 28. April 2026 angesetzt.

Unsere Einordnung

Die Verschiebung der Hochrisiko-Pflichten ist ein Kompromiss: Industrie und Mitgliedstaaten haben durchgesetzt, dass technische Standards und Behoerdenkapazitaeten erst aufgebaut werden, bevor Pflichten greifen. Das ist nachvollziehbar, weil zwei Normungsgremien ihre Standards bis Ende 2025 nicht geliefert haben und die EU-Kommission selbst eine Frist fuer Hochrisiko-Leitlinien verpasste. Wer den AI Act ernst nimmt, sieht hier dennoch ein Risiko: Verschiebungen koennen sich verstetigen. Die Aufnahme von Deepfake-Pornografie in die Verbotsliste ist dagegen ein klarer Fortschritt fuer Grundrechte, getragen von Rat und Parlament gleichermassen.

Relevanz für Deutschland

Deutsche Unternehmen, die sich seit Monaten auf den 2. August 2026 vorbereitet haben (insbesondere HR-Tools, Kreditscoring-Anbieter und Bildungsplattformen), gewinnen 16 Monate mehr Zeit. Das senkt kurzfristig den Compliance-Druck, verlangert aber auch die Rechtsunsicherheit. Fuer Betroffene von Deepfake-Pornografie waere das EU-weite Verbot ein wichtiger zusaetzlicher Hebel neben dem deutschen Strafrecht.

Faktencheck

Die genannten Daten stammen aus dem oeffentlichen Trilog-Prozess und werden von mehreren Rechtsanwaltskanzleien sowie der EU-Kommission bestaetigt. Die finale Fassung steht noch aus. Bis zur Annahme im Trilog koennen sich Detailregelungen aendern.

Quelle

  • K&L Gates Update 20.01.2026 (Rechtsanalyse)
  • artificialintelligenceact.eu (laufendes Tracking)
  • IAPP zur verpassten Kommissionsfrist
  • TUEV Consulting Zwischenstand 2026
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