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Google DeepMind verliert vier Top-Forscher in sechs Tagen an OpenAI und Anthropic - Alphabet-Aktie fällt um sechs Prozent

Was wirklich drin steht

Innerhalb von nur sechs Tagen hat Google DeepMind vier seiner profiliertesten KI-Forscher an die direkten Konkurrenten OpenAI und Anthropic verloren. Am 18. Juni gab Noam Shazeer seinen Wechsel zu OpenAI bekannt. Shazeer ist Mitautor des epochalen Papers 'Attention Is All You Need', das die Transformer-Architektur einführte - die Grundlage praktisch aller heutigen großen Sprachmodelle. Zuletzt war er Co-Leiter der Gemini-Modelle bei Google. Am 20. Juni folgte John Jumper, der Leiter des AlphaFold-Projekts und Mitträger des Nobelpreises für Chemie 2024, zu Anthropic. Am 24. Juni wechselten dann Jonas Adler, der Leiter der KI-gestützten Programmierung bei Gemini, und Alexander Pritzel, ein Spezialist für Gemini-Vortraining und AlphaFold-Mitarbeiter, ebenfalls zu Anthropic. Die Alphabet-Aktie fiel am 22. Juni um etwa fünf bis sechs Prozent. Bloomberg berichtet, dass DeepMind-Mitarbeiter intern Bedenken geäußert haben, das Unternehmen habe keine klare Produktstrategie für KI-Programmierwerkzeuge - ein Bereich, in dem Anthropic und OpenAI erheblich an Boden gewonnen haben.

Unsere Einordnung

Diese Nachricht verdient eine gelbe Bewertung, weil sie ein besorgniserregendes Muster der Machtkonzentration aufzeigt, aber gleichzeitig auch Zeichen eines funktionierenden Wettbewerbs enthält. Die berechtigte Sorge: Wenn die talentiertesten KI-Forscher der Welt sich auf immer weniger Unternehmen konzentrieren, verstärkt das die ohnehin schon extreme Machtkonzentration in der KI-Entwicklung. Dass ein Transformer-Miterfinder und ein Nobelpreisträger gleichzeitig wechseln, ist außergewöhnlich und deutet auf strukturelle Probleme bei einem der wichtigsten KI-Labore der Welt hin. Es gibt aber auch eine andere Lesart: Die Abgänge zeigen, dass der KI-Markt dynamisch ist und kein einzelnes Unternehmen alle Talente dauerhaft binden kann. Forscher wechseln dorthin, wo sie die besten Bedingungen für ihre Arbeit sehen - das ist ein Zeichen von Wettbewerb, nicht von Monopolbildung. Problematisch bleibt allerdings, dass dieser Wettbewerb fast ausschließlich zwischen US-amerikanischen Unternehmen stattfindet. Europäische KI-Labore spielen in dieser Talentbewegung keine erkennbare Rolle.

Relevanz für Deutschland

Für Deutschland und Europa ist diese Entwicklung aus mehreren Gründen bedeutsam. Erstens findet der gesamte Talentaustausch zwischen drei US-Unternehmen statt - Google, OpenAI und Anthropic. Kein europäisches KI-Labor ist in der Lage, Forscher dieses Kalibers anzuziehen, was die technologische Abhängigkeit Europas weiter vertieft. Zweitens hat die Konzentration von KI-Spitzentalent direkte Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der Modelle, die europäische Unternehmen nutzen: Wenn Anthropic die besten Forscher anzieht, könnten dessen Modelle schneller besser werden - vorausgesetzt, der Zugang wird nicht wie bei Fable 5 und Mythos 5 durch US-Exportkontrollen eingeschränkt. Drittens wirft der Fall grundsätzliche Fragen über die europäische KI-Strategie auf: Die EU investiert über Horizon Europe und den Chips Act Milliarden in KI-Forschung und -Infrastruktur, doch wenn die besten Köpfe nach Kalifornien abwandern, verpufft ein Teil dieser Investition. Das am 19. Juni vorgestellte EUROPA-Konsortium, das ein europäisches Open-Source-Sprachmodell entwickeln soll, unterstreicht die Dringlichkeit eigener Kapazitäten - steht aber vor genau diesem Talentproblem.

Faktencheck

Die Abgänge sind durch mehrere unabhängige Quellen bestätigt. Noam Shazeers Wechsel zu OpenAI am 18. Juni wurde von ihm selbst auf X angekündigt und von TechCrunch, Fortune und Search Engine Journal berichtet. John Jumpers Wechsel zu Anthropic am 20. Juni wird von Fortune, PYMNTS und der Taipei Times bestätigt. Die Abgänge von Jonas Adler und Alexander Pritzel am 24. Juni wurden zuerst von Bloomberg gemeldet und von TechCrunch bestätigt. Der Kursrückgang der Alphabet-Aktie um fünf bis sechs Prozent am 22. Juni wird von Quartz berichtet, wobei auch Bedenken über KI-Ausgaben als Faktor genannt werden - der Kursrückgang ist also nicht ausschließlich den Personalabgängen zuzuschreiben. Die internen Bedenken bei DeepMind über die fehlende Produktstrategie stammen aus dem Bloomberg-Bericht und basieren auf anonymen Quellen.

Quelle

  • https://techcrunch.com/2026/06/24/ai-researchers-continue-to-leave-google-for-its-rivals/
  • https://fortune.com/2026/06/23/google-deepmind-ai-researcher-departures-raise-doubts-about-ability-to-win-the-ai-race-shazeer-jumper-eye-on-ai/
  • https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-06-24/google-poised-to-lose-two-more-high-profile-ai-staffers-to-anthropic
  • https://www.axios.com/2026/06/23/ai-lab-agi-google-deepmind-departures
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