NYU-Professor Damodaran warnt: Ein KI-Crash wäre schmerzhafter als das Platzen der Dotcom-Blase
Was wirklich drin steht
Aswath Damodaran, Finanzprofessor an der New York University Stern School of Business und als 'Dean of Valuation' bekannt, hat in einem Podcast-Interview mit Meb Faber vor den besonderen Risiken der aktuellen KI-Investitionsblase gewarnt. Sein Kernargument: Im Gegensatz zur Dotcom-Ära, die fast ausschließlich mit Eigenkapital finanziert wurde, fließt ein großer Teil der heutigen KI-Investitionen über Fremdkapital - und dieses Fremdkapital stammt zunehmend von privatem Kapital statt von Banken. Goldman Sachs schätzt die gesamten Investitionsausgaben der großen Cloud-Anbieter (Hyperscaler) für den Zeitraum 2025 bis 2027 auf 1,15 Billionen US-Dollar - mehr als das Doppelte der vorherigen drei Jahre. Damodaran betont: 'Die Menge an Geld, die in KI investiert wird, ist immens, was bedeutet, dass die Schmerzen bei einer Korrektur intensiver sein werden.' Das entscheidende Problem sei der Übergang von Aktienkursverlusten zu Kreditausfällen: Während ein Dotcom-Crash vor allem Aktionäre traf, würde ein schuldenfinanzierter KI-Crash Kreditausfälle verursachen, die über die Technologiebranche hinaus auf die Gesamtwirtschaft übergreifen. 'Es gibt eine sehr reale Chance, dass, wenn es eine Korrektur gibt und Unternehmen Probleme bekommen, sich das als Zahlungsunfähigkeit und Ausfall zeigen wird - und das bleibt nicht begrenzt. Es schwappt auf den Rest der Gesellschaft über.'
Unsere Einordnung
Diese Warnung verdient eine gelbe Bewertung, weil Damodaran ein anerkannter Finanzexperte ist, dessen Analyse auf nachprüfbaren wirtschaftlichen Fakten basiert - aber ein Crash ist kein sicheres Szenario. Die berechtigte Sorge: Die KI-Investitionen sind tatsächlich beispiellos hoch und zunehmend fremdfinanziert. Die 1,15 Billionen Dollar Hyperscaler-Ausgaben bis 2027 sind eine reale Zahl von Goldman Sachs. Und der Mechanismus, den Damodaran beschreibt - Schuldenfinanzierung wandelt Börsenverluste in Kreditausfälle um - ist wirtschaftshistorisch belegt. Gleichzeitig gibt es gewichtige Gegenargumente: KI-Technologie liefert im Gegensatz zu vielen Dotcom-Produkten bereits messbaren wirtschaftlichen Nutzen. Große Cloud-Anbieter wie Microsoft, Google und Amazon haben im Gegensatz zu Dotcom-Startups solide Geschäftsmodelle und können KI-Investitionen aus laufenden Einnahmen finanzieren. Zudem vergleicht Damodaran den KI-Boom mit der Automobilindustrie vor 100 Jahren - auch dort gab es einen Crash, aber langfristig entstand eine transformative Industrie. Die Warnung ist also ernst zu nehmen als Risikoszenario, aber kein Grund zur Panik.
Relevanz für Deutschland
Für Deutschland ist Damodarans Warnung besonders relevant, weil die deutsche Wirtschaft eng mit der globalen Technologie-Lieferkette verknüpft ist. Deutsche Industrieunternehmen investieren derzeit massiv in KI-Infrastruktur: SAP, Siemens und die Automobilindustrie setzen Milliarden auf KI-gestützte Produkte und Prozesse. Sollte eine KI-Korrektur eintreten, wären deutsche Mittelständler, die als Zulieferer von KI-Hardware und -Infrastruktur dienen, direkt betroffen. Zudem hat die Bundesregierung im Rahmen ihrer KI-Strategie eigene Fördermittel in Milliardenhöhe bereitgestellt. Die europäische Bankenwirtschaft ist über Kreditbeziehungen mit dem globalen Tech-Sektor verbunden - ein schuldenfinanzierter Crash in den USA könnte über diese Kanäle auf Europa übergreifen. Gleichzeitig zeigt die Analyse, warum der europäische Regulierungsansatz des EU AI Act auch einen wirtschaftlichen Schutzfaktor haben kann: Strengere Regeln verhindern möglicherweise eine unkontrollierte Überhitzung des Marktes.
Faktencheck
Damodarans Aussagen stammen aus einem Interview im Meb Faber Show Podcast ('The AI Spending Spree: Bubble, Boom, or Both?', Episode 619). Die Analyse wurde von The Decoder, OfficeChai und Inshorts unabhängig berichtet. Die Goldman-Sachs-Schätzung von 1,15 Billionen Dollar Hyperscaler-Investitionen (2025-2027) ist eine veröffentlichte Analystenprognose. Damodarans Reputation als 'Dean of Valuation' ist in der Finanzwelt etabliert - er ist Professor an der NYU Stern School of Business und Autor mehrerer Standardwerke zur Unternehmensbewertung. Die Unterscheidung zwischen Eigenkapital- (Dotcom) und Fremdkapitalfinanzierung (KI) ist sein zentrales, nachprüfbares Argument.
Quelle
- • https://the-decoder.com/nyu-finance-professor-damodaran-warns-an-ai-crash-could-hit-harder-than-the-dot-com-bust/
- • https://www.themebfabershow.com/episodes/oILab0ZBVxs
- • https://officechai.com/ai/history-suggests-there-would-be-an-ai-bust-and-it-would-be-more-painful-than-the-dot-com-bust-ashwath-damodaran/
- • https://inshorts.com/en/news/-dean-of-valuation--damodaran-warns-ai-bubble-burst-may-hurt-more-than-dot-com-crash-1781939388347