Claude-Chats mit sensiblen Daten in Google sichtbar
Was wirklich drin steht
Am 25. Juli 2026 entdeckten Reddit-Nutzer, dass über Google-Suchen mit dem Operator 'site:claude.ai/share' hunderte öffentlich geteilter Claude-Konversationen und Artifacts auffindbar waren. Unter den indexierten Inhalten befanden sich hochsensible Daten: Kryptowährungs-Wallet-Schlüssel, API-Zugangsdaten, Lebensläufe mit echten Namen und Kontaktdaten, Gehaltslisten mit Mitarbeiternamen, interne CRM-Exporte, klinische Studienunterlagen mit vollständigen Patientendaten (Namen, Alter, Geschlecht, Ethnie, Hauttyp, Behandlungsdaten) sowie unveröffentlichte Produktpläne. Die technische Ursache: Anthropic hatte in der robots.txt-Datei Suchmaschinen-Crawler vom Verzeichnis /share ausgesperrt, aber keine 'noindex'-Meta-Tags auf den einzelnen Seiten gesetzt. Da Nutzer die Freigabe-Links auf öffentlichen Plattformen wie Foren, GitHub und sozialen Medien gepostet hatten, konnte Google diese Seiten über externe Links finden und indexieren, obwohl die robots.txt das Crawlen eigentlich verbieten sollte. Anthropic erklärte, dass geteilte Links 'by design' öffentlich seien und nicht ohne direkten Link auffindbar sein sollten. Bis zum 28. Juli hatte Google die meisten Ergebnisse entfernt. Allerdings zeigten Bing und andere Suchmaschinen die Links zunächst weiter an, und ein GitHub-Repository hatte bereits tausende der exponierten Nachrichten archiviert.
Unsere Einordnung
Klinische Patientendaten, API-Schlüssel und Krypto-Wallets aus Claude-Chats waren tagelang über Google auffindbar. Google hat die Ergebnisse inzwischen entfernt, aber ein GitHub-Repository hat tausende Chats archiviert. Für die Einordnung ist wichtig: Nutzer haben die Inhalte selbst über die Teilen-Funktion öffentlich gemacht. Anthropic hat keine privaten Chats offengelegt. Aber die fehlenden 'noindex'-Tags waren ein technischer Fehler, der das Risiko massiv vergrößert hat. Wer einen Link teilt, rechnet damit, dass der Empfänger ihn sieht, nicht damit, dass Google ihn jedem zeigt. Besonders problematisch: Viele Nutzer wussten offenbar nicht, dass geteilte Links dauerhaft öffentlich sind. Die exponierten medizinischen Daten, darunter vollständige Patientenprofile aus klinischen Studien, wären in der EU ein klarer DSGVO-Verstoß. Der Vorfall zeigt ein grundsätzliches Problem: KI-Chatbots werden zunehmend für sensible Arbeit genutzt, ohne dass die Konsequenzen der Teilen-Funktionen ausreichend verstanden werden.
Relevanz für Deutschland
Für deutsche Nutzer ist dieser Vorfall besonders relevant. Erstens: Unter den indexierten Daten befanden sich medizinische Informationen, die nach der DSGVO besonders geschützt sind (Artikel 9, besondere Kategorien personenbezogener Daten). Wenn deutsche Nutzer solche Daten über Claude geteilt haben, könnte das Konsequenzen für die verantwortlichen Stellen haben. Zweitens: Deutsche Unternehmen, die Claude für interne Arbeit nutzen, sollten ihre Teilen-Einstellungen überprüfen. Gehaltslisten, CRM-Daten und Produktpläne, die über die Teilen-Funktion veröffentlicht wurden, sind ein Compliance-Risiko. Drittens: Der Vorfall unterstreicht die Empfehlung des BSI und der Datenschutzbehörden, keine personenbezogenen oder vertraulichen Daten in cloudbasierte KI-Systeme einzugeben. Ab dem 2. August gelten zudem die EU-AI-Act-Transparenzpflichten, die für mehr Klarheit bei der Datenverarbeitung sorgen sollen. Deutsche Nutzer sollten in ihren Claude-Einstellungen prüfen, ob unbeabsichtigt geteilte Konversationen existieren, und diese gegebenenfalls zurückziehen.
Faktencheck
Der Vorfall ist durch mehrere unabhängige Quellen bestätigt. TechCrunch, VentureBeat, Fortune und CyberSecurityNews berichten übereinstimmend über die Entdeckung am 25. Juli 2026 durch Reddit-Nutzer. Die technische Ursache (fehlende noindex-Tags trotz robots.txt-Einträgen) wird von Cybernews und CyberSecurityNews mit technischer Analyse belegt. Anthropics Stellungnahme, dass geteilte Links 'by design' öffentlich seien, wird von mehreren Quellen zitiert. Die Entfernung der Google-Ergebnisse bis zum 28. Juli ist durch Nachberichte bestätigt. Die Existenz des GitHub-Archivs mit tausenden exportierten Chats wird von mehreren Sicherheitsforschern dokumentiert. Die Art der exponierten Daten (Wallet-Schlüssel, API-Keys, medizinische Daten, Gehaltslisten) wird quellenübergreifend konsistent berichtet.
Quelle
- • https://techcrunch.com/2026/07/27/psa-your-claude-shared-chats-and-artifacts-may-have-ended-up-on-google/
- • https://venturebeat.com/technology/uh-oh-some-claude-shared-conversations-and-artifacts-appear-to-be-indexed-and-publicly-accessible-on-google-search
- • https://cybersecuritynews.com/claude-ai-shared-chats/
- • https://fortune.com/2026/07/27/a-trove-of-users-seemingly-private-conversations-with-anthropics-claude-ai-chatbot-showed-up-in-google-search-results/
Bleibt beim Thema KI ein mulmiges Gefühl, über diese eine Meldung hinaus?
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